Reiseimpressionen aus Indien

Die folgenden Bilder werden von mir nicht kommentiert, sondern sollen nur »Impressionen«  aus Indien wiedergeben, so wie ich sie im Alltag auf Geschäftsreisen seit 1997 erfahre.

Schicksal und die Akzeptanz

Eine private Reise vor 25 Jahren mit philosophischem Hintergrund, führte zu den geschäftlichen Unternehmungen, die bis in die Gegenwart reichen. Jährlich mehrmalige Geschäftsreisen haben dazu geführt, dass ich den Subkontinent vom Norden bis zum Süden mit dem Taxi oder der Indian Railway in der beliebten Second Class AC Sleeper bereist habe.

Schon zu Beginn dieser Reisen, wurde ich von Globetrottern oder auch den Rucksacktouristen darauf aufmerksam gemacht, dass Indien von allen Ländern dieser Erde, der Härtetest für das eigene Sein auf körperlicher und seelischer Ebene darstellt. Dass diese Bemerkung vielschichtig zu betrachten ist, wurde mir erst mit zunehmender Reisetätigkeit offenbar.

Reichtum und teilweise tiefe Armut, ungewohnte hygienische Bedingungen, wie auch zwischenmenschliche Vorgehensweisen, bilden einen Erfahrungspool, den viele Touristen und Globetrotter oftmals schwer in ihre eigene gelernte Vorstellungswelt einordnen können.

Der Satz: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten Indien zu sehen, entweder liebst du es, oder du lehnst es für dich endgültig ab.“

Meine Einstellung dazu war und ist sehr einfach: Ich habe mit diesem Umstand nichts zu tun, da ich diesen nicht geschaffen habe und versuche die angenehmen Seiten in Ruhe zu genießen. So geschah es, dass ich nach einigen Jahren und sehr langen Aufenthalten wie auch Reisen in Indien, mittags in einem sauberen Schnellrestaurant in Delhi saß, um eine Mahlzeit einzunehmen. Ein indisches Ehepaar setzte sich zu mir an den Tisch und wir kamen schnell in ein Gespräch. Die Frau fragte mich plötzlich:“ „Was finden Sie an Indien gut“?

Spontan, ohne darüber nachzudenken, sagte ich: „Indien ist ein freundliches und offenes Land“. Ich wunderte mich selbst über diese spontane Äußerung, befand aber, dass es meinen persönlichen Erfahrungen, trotz der wirklich vielschichtigen Merkwürdigkeiten, die sich in den vorangegangenen Jahren ereignet hatten, entsprach.

Als ich am Beginn meines Aufenthaltes in Indien in Bombay (Mumbai) mit dem Taxi die Stadt kennenlernen wollte, hatte ich extra sehr viele einzelne 1 Rupee Münzen in meiner Tasche, um diese den an der Autoscheibe anklopfenden Bettler einzeln zu geben, so wie es mir von Bekannten vor der Reise angeraten wurde.

Der Taxifahrer, der einen Turban trug, was ihn als ein religiöses Mitglied Der Volksgruppe der Sikhs auszeichnete, sagte mir dann irgendwann: “Wie lange willst du deine Rupees den Bettlern geben? Weißt du, wieviel Bettler es in Bombay und in ganz Indien gibt? Du wirst morgen kein Geld mehr haben, um hier in Indien zu bleiben.“ Ich verstand sofort und beendete diese zunächst gut gemeinte Aktion.

Der nächste Vorgang war eine ebenso erhellende, der meinen Versuch betraf, ein günstigeres Hotel zu suchen, da mir das Hotel nach meiner Ankunft zu teuer erschien.

Der besagte Taxifahrer brachte mich somit in ein Hotel, das eine gut aussehende Rezeption besaß. „Was wollen sie zahlen?“, war die erste Frage. „100 Rupee“, war meine Antwort. Ein Hotelangestellter zeigte mir sogleich ein Zimmer neben der Rezeption mit dem Hinweis: „100 Rupee.“ Das Zimmer besaß kein Außenfenster, wurde durch eine lange offene Neonröhre beleuchtet und hatte ein Sperrholzbett mit einer alten Strohmatratze und einen Plastikstuhl. Es war offensichtlich eine ehemalige Besenkammer.

„Ich möchte aber ein Zimmer mit einem Fenster haben“, war meine spontane Reaktion.

Ich wurde in den ersten Stock geführt. Eine Tür wurde mit dem Hinweis geöffnet: „200 Rupee.“  Auch hier spendete eine lange Neonröhre das notwendige Licht. Das Inventar bestand ebenfalls aus einem alten Sperrholzbett mit einer ebenso alten Matratze und einem Plastikstuhl. An der gegenüberliegenden Wand konnte ich ein kleines Doppelfenster erkennen, durch das kein Tageslicht zu sehen war. Ich bat den Hotelangestellten die beiden kleinen Fenster zu öffnen, um die Aussicht zu prüfen. Der Angestellte reagierte sofort und hatte die beiden Fenster schnell geöffnet. Dahinter erschien ein ungeputztes Mauerwerk. Die Fenster waren also Dekoration.

„Sir, ich möchte gerne ein Zimmer mit Fenster haben“, betonte ich nun nachdrücklich.

„Aber Sir, dies ist ein Zimmer mit Fenster“, war die spontane Reaktion des Angestellten, während er demonstrativ beide Fensterflügel mehrmals hin und her bewegte.

Ich hielt inne und wusste nicht, ob dies alles ernst gemeint war oder ich einem Scherz unterlag. Mir wurde aber spontan bewusst, dass dies ein wirklich ernst gemeinter Moment in meinem Leben war. Ich dankte dem Angestellten und sagte ihm, dass ich ein Zimmer mit einem Fenster haben möchte, aus dem ich heraussehen konnte, um auch frische Luft zu bekommen.

Ich wurde nun in den zweiten Stock geführt. Erneut wurde eine Tür mit dem Hinweis geöffnet: „300 Rupee“.

Die Einrichtung war wie vorher, nur dass sich zusätzlich eine kleine alte Kommode in dem Raum befand. An der gegenüberliegenden Wand konnte ich ein kleines Doppelfenster sehen, das Tageslicht erkennen ließ, da es seit sehr langer Zeit nicht mehr geputzt worden war, wenn überhaupt.

Ich ging also zu dem kleinen Doppelfenster, öffnete es und sah, dass sich im Abstand von ca.80 cm die Hauswand des Nachbarhauses befand. Immerhin, das Tageslicht war wahrzunehmen. Eine unangenehme Luft drang jedoch in den Raum. Ich sah aus dem Fenster und erkannte am Grund dieses Zwischenraumes der beiden Häuser, dass sich dort der aus den Fenstern entsorgte Hausmüll stapelte, auf dem einige Ratten nach Nahrung suchten. Jetzt verließ ich kommentarlos den Raum und auch das Hotel und ließ mich von dem Taxifahrer in mein erstes Hotel zurückfahren.  Es war Spätnachmittag und ich wollte mich von der ungewohnten, feuchtheißen Luft erholen und meine weiteren Pläne überdenken.

Das Leben in seiner Vielfalt

Das ganz normale Tages- und Marktgeschehen sowie der Weg von und zu der größten Moschee Indiens, der „Jama Masjid“. Dieser muslimische Markt bietet durchaus interessante Artikel. Gerne verweile ich auch hier , wenn mich mein Reise nach Delhi führt, um in diesem lebendigen Sein ausgefallene Stoffe einzukaufen. Besonders reizvoll  für mich sind die Rufe des Muezzin zum Gebet in der Moschee, da oft ein ausgesprochen guter Sänger den entsprechenden Text über die Lautsprecher verbreitet.

Im Hintergrund des Bildes oben links, sind einige Türme des gegenüberliegenden Red Ford zu sehen.

Teil des Rezeptionsbereichs eines Hotels in Rajasthan

 

„Happy Diwali“, das hinduistische Lichterfest

„Mehendi“ oder auch die Hennamalerei wird, wie in vielen arabischen Staaten, auch in Indien praktiziert. Wenn im Oktober eines Jahres das größte Hindufest „Diwali“ über 3 Tage gefeiert wird, ist die Atmosphäre erfüllt von Hektik, Freude und Erwartung. An vielen öffentlichen Plätzen sitzen Frauen und lassen sich von Künstlern der Henna-Malerei, den „Mehendi“, die Hände gegen Bezahlung kunstvoll bemalen.

Diwali, das hinduistische Lichterfest, ist zu vergleichen mit dem christlichen Weihnachtsfest.

Dieses Fest ist der „Göttin Lakshmi“ gewidmet, der Göttin für Liebe, Wohlstand, Glück und Fruchtbarkeit.

Wer Indien regelmäßig über Jahre bereist und es kulturell verinnerlicht und anfängt zu verstehen, beginnt auch die emotionale Ebene der hinduistischen Religion mit ihren Verehrungen für bestimmte Götter zu verstehen und diese als angenehm zu empfinden.

„Diwali“ ist ein Familienfest, bei dem sich die Menschen mit Süßigkeiten beschenken und Glück wünschen.

Aufgrund der extrem unterschiedlichen Temperaturen auf dem Subkontinent reise ich gerne im Februar und im Oktober zu meinen Einkaufsreisen. Die Temperaturen sind bei 25 – 30 Grad angenehmer bei Einkäufen auf den Märkten und Basaren als eben im Mai bei 40 – 50 Grad oder zur Monsunzeit in den Monaten Juni-August, wenn die Straßen manchmal innerhalb von 20 Minuten kniehoch mit Wasser gefüllt sind, Busse und Eisenbahnen stehen bleiben müssen und das Taxifahren zum Risiko wird.

Da „Diwali“ im Oktober eines jeden Jahres stattfindet, werde ich regelmäßig von befreundeten Familien eingeladen. Alle Wohnräume werden mit Kerzen erleuchtet und zu einem Zeitpunkt wird die große „Göttin Lakshmi“ mit der traditionellen „Puja“ angerufen, um Glück und Wohlstand zu erbitten. Wohlhabende Familien lassen für diese heilige Zeremonie auch einen Priester gegen hohe Bezahlung kommen, der in der vedischen Sprache die Anrufung durchführt. Auch für mich ist es immer wieder ein besonderer Augenblick in meinem Leben, an dieser Anrufung teilnehmen zu dürfen, da die Lautgebung der Sanskritsprache das menschliche Bewusstsein in eine andere Art der Wahrnehmung und Verinnerlichung führt.

Bei Einsetzen der Dunkelheit beginnt in allen Straßen ein Feuerwerk der Superlative. Der Lärm ist so gewaltig, dass ein schwaches Nervensystem durchaus kollabieren könnte.

Beeindruckend sind die oft mehrere Meter langen Bänder, die an Maschinengewehrgurte erinnern, die gefüllt sind mit kanonenschlagsähnlichen Feuerwerkskörpern, die auch tatsächlich wie ein Machinengewehrfeuer abzündeln. Der explosive Lärm ist unbeschreiblich und oft an der Gefahrengrenze.

Gott in den Tieren

Kühe sind, entsprechend des hinduistischen Glaubens, ein Aspekt und Teile der großen Gottheit „Vishnu“.  „Vishnu“ ist einer der drei Hauptgottheiten : Brahma, Vishnu und Shiva.

Brahma ist der Erschaffer, Vishnu, der es erhält und stabilisiert und Shiva, der wieder alles zerstört, damit wieder etwas Neues kommen kann.

Vishnu wird von den Hindus angerufen, wenn es um Stabilität und materiellen Bestand geht.

So ist die Frau von Vishnu,  Laxmi,  eine der meist verehrten Göttinen, da sie es ist, die Wohlstand, Reichtum, Glück und Liebe schenkt. Zu der einfachen Lebensexistenz gehört Nahrung und eben auch Milch, Butter und Sahne, die von den Kühen kommt. Deshalb werden Kühe von den Hindus als heilig angesehen und, wie hier auf dem Bild, gerne berührt, um die übertragende Kraft Vishnus zu erhalten.

Leider werden jedoch Kühe, wie alle anderen Tiere in Indien, nicht gerade bevorzugt behandelt. Oftmals sind die freilaufenden Kühe, die alle ihre Besitzer haben, abgemagert und müssen sich vom Abfall in den Basaren ernähren.

Freilaufende Schweine, Hunde, Kühe und Ratten  sind die Tiere, denen jeder häufig in den Strassen begegnet.

Elephanta und die Wasserträgerin

Die von mir fotografierte Inderin trägt einen klassischen traditionellen indischen Wassertopf, mit dem das Trinkwasser, das aus einem Brunnen für den eigenen Haushaltsbedarf geschöpft wurde und in einigen ländlichen Bereichen auch heute noch wird. Allerdings entstand diese Aufnahme auf der Insel Elephanta bei Bombay. Die Dame verdient sich mit dieser Darstellung Geld.

Auf Elephanta befinden sich sehr alte Höhlen in denen Skulpturen von der Gottheit Shivaaus dem Fels herausgearbeitet wurden

Elephanta ist per Schiff innerhalb einer Stunde zu erreichen. Die Fahrt beginnt in Colaba, direkt gegenüber dem berühmten Taj Mahal Hotel und unterhalb des „Gateway of India“, das zu Ehren des englischen Königs Georg V. und seiner Frau Maria von Teck von 1911 -1924 errichtet wurde, da das englische Königspaar 1911 an dieser Stelle erstmalig indischen Boden betrat. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass die letzten englischen Truppen 1948 von dieser Stelle in Ihre Heimat zurückkehrten, da Indien in einem überwiegend gewaltlosen Widerstand die Unabhängigkeit erreichte.

 

In Bewegung geratene Stille

Für mich war dieser Moment der Bildaufnahme an einer großen Kreuzung in Bombay, in der Nähe des Textilmarkts Crawford im Bindi Basar, ein symbolischer Ausdruck der lärmenden Wirrnis des Lebens, mit der nahezu fast jeder Erdenbewohner innerlich und äußerlich zu kämpfen hat. 

Die mindestens 5 m langen, einachsigen Lastenkarren werden jeweils von zwei sog. Kulis, den einfachen Hilfsarbeitern, gezogen und geschoben. Diese Art der Warentransporte vom Basarin einen anderen Stadtteil sind notwendig, da größere Transportfahrzeuge nicht in den engen Gassen zu bewegen sind.

Als die Ampel auf grün wechselte, erhob sich, einer Sturmwelle gleich, ein Geschrei und Rufen der Lastenträger wie auch der Kulis dieser Transportkarren, von denen ca. 50 die Kreuzung überschritten. Das ganze vermischte sich mit dem ewigen Hupen der Autos und dem Aufheulen der Motoren der „Goods Carrier“, der indischen Lastkraftwagen, deren Führerhäuser häufig bunt bemalt und mit religiösen Symbolen wie auch Bildern versehen sind. Das ganze wird untermalt von dem Gestank der schwarzen rußähnlichen Abgaswolken dieser Lastkraftwagen.

Mittagsruhe eines Touristen im Tiger Ford

„Indian Handicraft“ – eine in Holz geschnitzte Musikgruppe aus Rajasthan

Amber Fort, der manifestierte Wunsch nach Sicherheit

Wer von Delhi kommend nach Jaipur im Bundesstaat Rajasthan fährt, gelangt über eine große Felsdurchfahrt in einen kleinen Vorort von Jaipur, der Stadt der Maharadschas oder Rajputen. Am Ende der wenigen Häuser am Straßenrand, öffnet sich das Land zu der rechtsliegenden Bergkette des Arawalli Gebirges, auf dem im 16. Jahrhundert die mächtige Festung „Amber Fort“ erbaut wurde. Dieses liegt ca. 10 km entfernt von der eigentlichen Stadt Jaipur, der bekannten Stadt der Maharadschas. Amber Fort diente eher als Palast und Schutzbau. Die eigentliche Wehrfestung ist das auch in diesen Bergen erbaute „Tiger Fort“, oberhalb von Jaipur.

Amber war sehr lange die Hauptstadt der Kachchawaha Dynastie, die diesen mächtigen Schutzbau aus strategischen Gründen erbauen ließ. Beeindruckend sind die aus Marmor und Buntsandstein errichteten Marmor- sowie Sandsteingebäude, die ausgefeilte Detailarbeit und eine fast perfekte Baukunst zeigen.

Für Touristen besteht die Möglichkeit, auf einem bettähnlichen Sitz auf dem Rücken eines Elefanten  zur Festung zu gelangen. Der Elefantenführer sitzt auf dem Nacken des Rüsseltieres und gibt von hier die Richtung vor.

Der ca. 20-minütige Ritt auf dem Elefanten führt über die ansteigende Straße schließlich zum beeindruckenden Sonnentor, das den Eintritt zur Schutzfestung freigibt. Beim Durchschreiten dieses Tores kann der aufmerksame Besucher neben der rechts liegenden großen Haupttreppe den „Shilo Devi Tempel“ sehen, der der großen Göttin Kali gewidmet ist.

In den Hinduistischen Schriften heißt es, dass einst „Durga“, die Frau der Hauptgottheit Shiva, gegen einen mächtigen Dämonenfürsten kämpfte. Immer dann, wenn Sie diesem einen Kopf mit dem Schwert abschlug, entstand aus jedem Tropfen Blut ein neuer Kopf, so dass es für sie nicht möglich war diesen Dämonenfürsten zu besiegen. Sie schuf schließlich aus Ihrer Stirn eine Göttin mit 10 Armen, deren Händen mächtige unterschiedliche Waffen und Schilde hielten. Weiter heißt es, dass Kali mit einem furchterregenden Gebrüll auf dem Schlachtfeld erschien. Aus ihrem Mund ragte eine übergroße Zunge, mit der Sie das Blut aus den abgeschlagenen Köpfen aufleckte, so dass keine neuen Köpfe entstehen konnten. Mit dieser Göttin wurde „Durga“ schließlich siegreich und konnte die Schöpfung vor einer Dämonenherrschaft retten.

Innerhalb dieser Bilderreise erscheinen noch weitere Eindrücke vom Amber Fort.

„Dharavi“ oder, es gibt keine Hölle, die der Mensch nicht aushalten könnte

Auf meiner ersten Reise nach Indien habe ich während einer Stadtrundfahrt mit dem Taxi in Bombay auch den größten Slum der Welt besucht: „Dharavi“. Die Einwohnerzahl wird auf 400.000 bis 600.000 geschätzt. Zunächst hatte ich einen Ort mit ausschließlich Plastikhütten erwartet und war dann sichtlich überrascht, überwiegend kleine alte Steinhäuser vorzufinden, die von schmalen Lehmgassen durchzogen wurden. Dazwischen tobte das Leben. Hunde, schwarze Schweine und Federvieh vermischten sich mit den sehr beschäftigten Erwachsenen und spielenden Kindern. Ich war überrascht, mit welcher Freundlichkeit und Offenheit sich hier die zwischenmenschlichen Beziehungen abspielten. Auf einem größeren Platz wurden übergroße Töpfe aufgestellt, in denen das Essen für viele zubereitet wurde. Diese Szenerie ist hier auf einem späteren Bild zu sehen.

Der Slum umfasst ca. zwei Quadratkilometer und liegt am Fluß Mohin. In vielen Häusern sind kleine Produktionswerkstätten, Töpfereien, Gerbereien und Geschäfte. Auch westliche Firmen lassen aus Kostengründen hier produzieren. Die sanitären Umstände sind allerdings nicht die besten. Laut einer Studie der WHO sollen ca. 32% der Menschheit in Slums, also in Armenwohngebieten leben. Wie ich auf späteren Reisen durch Indien feststellen musste, war Dharavi nicht das schlimmste was ich an Armut, Wohnverhältnissen und seinen Bedingungen gesehen hatte.

Entscheidend ist immer der Inhalt einer fragwürdigen Verpackung

Diese Masala-Chai Küche ist eine der der unendlich vielen kleinen Teeküchen in Indien, an denen der traditionelle Masala-Chai frisch zubereitet und für ein sehr geringes Entgelt abgegeben wird (zu der Zeit 25 Pfennig). Dieser Tee-Koch stand auf einem Parkplatz am Stadtrand der heiligen Stadt Haridwar am Ganges. Masala-Chai ist eine Teemischung aus Wasser, Milch, Schwarztee, Kardamon, Ingwer und Zucker. Jeder Indienreisende weiß dieses wohlschmeckende Getränk zu schätzen, da es überall ohne gesundheitliche Bedenken eingenommen werden kann. Die Milch wird dafür dreimal hochgekocht.

Ich hatte jedoch an diesem Standort erst nach dem Genießen der Tasse Masala-Chai gehört, dass das Wasser für den Tee aus dem vorbeifließenden Ganges genommen wird. Sicherlich liegt Haridwar noch vor Benares, einem heiligen Ort, an dem wohlhabende Inder sich nach ihrem Tod verbrennen lassen, um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu gelangen. Die Reste dieser Verbrennungen werden in den Ganges versenkt.

Der Ganges hat jedoch auch bei Haridwar schon erhebliche Schwebstoffe und mehr. Da ich jedoch auch heute noch meine Geschäfte mit Indien tätige, war es wohl doch nicht so schlimm.

Auch Kühe gehen gerne shoppen

Ein ganz normaler Anblick in Basaren.

Eine „Seraphimstatue“  aus Marmor in einem Hindutempel

 

Chitli Qabar oder „Überleben ist überall möglich“

Wer den alten Teil von Delhi besucht, taucht in eine Welt der weiten Vergangenheit, die manchmal mittelalterliche Ausdrucksformen zeigen kann. „Chitli Qabar“ und „Sadar Basar“ gehören in diesen Bereich, der „Old Delhi“ genannt wird. Auch die größte Moschee Indiens, die „Jama Masjid“ und die vom „Mogulkaiser Shah Jahan“ erbaute Palastfestung „Red Fort“ gehören zu diesen Stadtteil.

Als ich meinem Exporteur vor ca. 20 Jahren erstmalig erzählte, dass ich in den Chitli Qabar gehe, um bei einer Factory perlbestickte Textilien in Auftrag zu geben, erschrak dieser und fragte mich, ob ich mich bewusst umbringen wollte.

In Chitli Qabar ist eine lange und schmale Einkaufsstraße, in der nur Fahrradrikshas fahren dürfen, da kein Platz für Taxis oder selbst Motorrikshas für die Durchfahrt vorhanden ist.

Hier findet alles statt, was wir als Leben kennen und bezeichnen.

Neben dem Geschäft, das Saris und Stoffe verkauft, ist ein sog. Fleischer, der vor seinem Geschäft gerade eine Ziege oder was auch immer schlachtet und weiterverarbeitet. Daneben ist ein Geschäft, das Schmuck verkauft und daneben wieder eine sog. Chapati (Fladenbrot) Bäckerei, die aus einem tiefschwarzen, zur Straße vollständig offenen Raum besteht, in dem einige Männer mit Lendenschurz und barfüßig am offenen Feuer ihr Handwerk verrichten.  Für mich ist das alles der Ausdruck prallen Lebens. Über allem in dieser Straße schweben die oft verknoteten und verwickelten Stromkabel für die allgemeine Stromversorgung, die auch manchmal zusammenbricht. In all dem ganzen Lärm und Getöse ist dann auch der ständig wiederkehrende,  beruhigende Gesang des Muezzine der verschiedenen Moscheen zu hören, die zum Gebet rufen.

Sollten Sie in Ihrem Leben jemals in Delhi sein, besuchen Sie diesen Basar. Sie werden unvergessliche Eindrücke erleben und in Ihren Erinnerungen mit nach Hause tragen.

Die muslimische Familie (die auch in dieser Bilderreihe erscheint), bei der ich oftmals Textilien bestelle, wohnt hier in einem eigenen Haus mitten in diesem Basar. Gerne verweile ich auch bei dieser ausgesprochen gastfreundlichen Familie zum Essen oder eben einem Masala Chai.

Dachterrasse  mit Blick auf Jaipur im Tiger Fort

 

Erholung von der Arbeit

Dieser einfache Mann verdient sein Geld, indem er eine kleine Waage neben sich an der Mauer dieses vielbesuchten Gehweges aufstellt, auf der Vorbeigehende für 5 Rupee Ihr Gewicht prüfen können.  Hier erholt er sich gerade von der anstrengenden Arbeit.

 

Wareneinkäufe mit  Muße

Meine oft sehr langen Einkäufe und Aufenthalte bei einem bestimmten Basarhändler untermale ich mit Masala Chai (Gewürz-Tee) und einigen Chapatis (indisches Fladenbrot), die in einer gegenüberliegenden Chapati -Bäckerei in einer großen Metalltonne mit offenem Feuer gebacken werden. Dabei werden die rohen Fladenbrote an die Innenwand der heißen Tonne gedrückt. Wenn die Fladenbrote durchgebacken sind, können diese leicht von der Innenwand abgenommen werden.

Auch wenn diese Vorgänge merkwürdig klingen, der Geschmack ist wirklich gut. Die fertigen Chapatis werden selbstverständlich verpackt mitgegeben, nämlich in den Zeitungsabschnitten einer „Times of  India“, die hier zu sehen sind und gleichzeitig als Tellerersatz dienen.

Der Weg zur Wiedergeburt

Sicherlich wird bei diesem Bild bei vielen Betrachtern ein großes Fragezeichen entstehen.

Die Holzbalken und Gitterkörbe, in denen auch Holzbalken liegen, sprechen bei einer näheren Betrachtung aber für sich. Dieses an der Arabischen See in Bombay gelegene Krematorium gleicht einem kleinen Stadion.

Nachdem der in weißen Leinentüchern fest eingewickelte Verstorbene mit Butterfett eingeschmiert wurde, um das Feuer schneller zum Lodern zu bringen, umrunden alle Angehörigen mit einem kleinen Holzstab fünfmal den Toten, werfen das kleine Holzstück auf den Verstorbenen und setzen sich danach auf eine Tribüne, um dem Mann zuzusehen, der nun damit beginnt, die Holzscheite zu entflammen. Das fünfmalige Umrunden steht symbolisch für die fünf Elemente: Erde-Feuer-Wasser-Luft-Raum. Das Entzünden der Holzscheite erfolgt oft von einem nahestehenden Verwandten des Verstorbenen, sehr oft ist es der Sohn. 

Alle Teilnehmer dieser Zeremonie verbleiben so lange auf der Bühne, bis der Verstorbene vollkommen verbrannt ist. Die restlich verbliebene Asche können die Verwandten in einem Tongefäß mitnehmen. In der Regel hat der verstorbene zu Lebzeiten den Wunsch geäußert, dass seine Asche in einem Fluss an einen der vielen heiligen Orte in Indien verstreut wird, um eine möglichst günstige Wiedergeburt zu bekommen. „Benares“ am Ganges zählt dabei sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten Orten in Indien. Wer hier verbrannt wird und als Asche in den heiligen Ganges gestreut wird, hofft vollkommen erlöst und aus dem Kreislauf der Wiedergeburten befreit zu werden. Der Fluss Ganges wird von den Hindus als heiliger Fluss angesehen, da er dem hinduistischen Glauben nach, aus dem Haupt der großen Gottheit „Shiva“, dem Zerstörer, entspringt.

Zu bemerken ist, dass der Transport von Toten zur Feuerstelle häufig von den Angehörigen selbst durchgeführt wird, die den eingewickelten Leichnam auf einer Bahre durch die öffentlichen, oft sehr belebten Straßen tragen und dabei im Gleichklang das Mantra „Ram Ram“ rufen, um einen friedvollen seelischen Aufstieg der Seele des Verstorbenen zu gewährleisten. Grundsätzlich muss ein Verstorbener noch am gleichen Tag verbrannt werden, was in den hohen Temperaturen des Subkontinentes und den daraus resultierenden Konsequenzen begründet ist.

Tänzerin der klassichen  traditionellen Rajasthan-Tanzkunst

 

Die Natur des Lebens ist unbesiegbar

Diese Bettlerfamilie in Bombay gehörte zu dem professionellen Bettlertum, das neben den wirklich armen,  umherstreifenden Bettlern in Indien besteht. Als Neuankömmling auf dem Subkontinent musste auch ich die Erfahrung der Unterscheidung der vielschichtigen indischen Gesellschaft machen.

Diese Familie lebte neben einer öffentlichen Toilette, da dort freies Wasser aus dem Waschbecken zu bekommen war und die tägliche Toilette verrichtet werden konnte. Neben dem kleinen Toilettengebäude hatte die Familie eine alte Badewanne gestellt, in der immer ein Familienmitglied schlief. Davor wurde auf einem Spirituskocher das Essen bereitet. Ich habe mich erst später gefragt, warum die vorüberziehende Polizei nie einschritt und die Familie vertrieb, so wie sie es bei anderen Bettlern an bestimmten Plätzen regelmäßig durchführte. Die Antwort erhielt ich erst 3 Jahre später auf einer meiner regelmäßigen Einkaufsreisen. Ich hatte beobachtet, wie ein Polizeibeamter Bettler aus einer Straße vertrieb. Diese liefen somit in die nächste Parallelstraße und gingen dort ihren Tätigkeiten weiter nach. Aber auch dort wurden sie erneut nach einigen Stunden vertrieben und liefen wieder in eine weitere Parallelstraße. Ich beobachtete mit einem Teppichhändler vor dessen Geschäft stehend diese Szenerie. Der Händler meinte: Das ist ein Spiel. Damit die Bettler an diesem ergiebigen Ort Betteln dürfen, geben sie dem Polizeibeamten Geld. Dieser muss aber den Händlern zeigen, dass er in ihrem Sinn tätig ist und die Straße frei von Bettlern hält, da es nicht gut für das Geschäft ist, wenn diese dort die Kundschaft anbetteln.

Also vertreibt er in einem mehrstündigen Rhythmus die Bettler aus den einzelnen Straßen.

So führte es eben auch diese Familie aus.

Die in der Mitte des Bildes zu sehende, älteste Tochter Banu war nahezu ein Profi im Betteln. Die Familie hatte immer genug Geld und Nahrung. In den schwierigen Jahreszeiten mieteten sie eine Wohnung, um komfortabler zu leben.

Banu war es auch, die mir mit einer anderen Inderin zusammen gegen Entgelt das professionelle Handeln und Feilschen in den Basaren und Märkten beibrachte.

Interessant wurde es auch, wenn ich beide zum Essen in ein gutes Restaurant mit AC einlud.

Die Bedienung, die in allen Restaurants nur aus Männern besteht, wollte natürlich keine Bettlerin bedienen, da sie es als würdelos empfanden. Da ich aber offensichtlich aus dem sog. reichen Westen kam, war der Zwiespalt groß und wir wurden letztendlich bedient. Banu war dabei immer gut gekleidet. Aber in Indien besteht bis heute eine unterschwellige, ausgeprägte Gesellschaftshierarchie, die letztendlich nur mit der Religion erhalten werden kann.

Diese Investition in das Feilschen hatte sich in den vielen Jahren meiner Einkäufe bis heute immer wieder ausgezahlt, denn der wirkliche Gewinn im Handel liegt beim Einkauf.

Da das Handeln zur Gewohnheit geworden ist, erreiche ich auch bei meinen Einkäufen innerhalb Europas immer den „best price“.

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